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Nachruf für Pfarrer Bruno Servatius
verstorben am Herz-Jesu-Freitag 1. Oktober 2010,Liebe Gemeinde,
Wir feiern das Requiem, die Totenliturgie für Pfarrer Bruno Servatius. Wie schnell wurde alles anders. Noch vor wenigen Tagen saßen wir in seinem sonnigen Zimmer im Anna-Leimbach-Haus zusammen und tauschten froh Gedanken aus. Wie sehr freute sich Pfarrer Servatius über jeden Besucher, und herzlich waren diese Begegnungen.
Um so schmerzlicher traf mich der Anruf unseres Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Heiko Graß, nachdem er gerade bei ihm war, dass Pfarrer Servatius in der Paracelsusklinik am Sterben liege Zwei Tage zuvor kam er in die Klinik. Ich eilte zu dem Sterbenden, um ihm noch einmal für all das zu danken, was er für uns alle tat. Er nahm die Worte wahr. An seine Augenlidern und seinen Lippen war es zu erkennen.
Es war seine Sterbestunde. Er durfte sterben mit dem Segen von Pfarrer Jürgen Olf und mit dem Beistand von Frau Wickenheißer und Pfarrer Richard Mayer. Es war der Herz-Jesu-Freitag im Rosenkranzmonat. Zu beidem hatte er einen tiefen Bezug, sie hatten für ihn große Bedeutung.
Unser gütiger Gott rief ihn zu sich und machte ihn frei von all seinen Leiden.
Im September 1985 kam Pfarrer Servatius als neuer Gemeindepfarrer zu uns nach Sankt Josef. Erzbischof Oskar Saier wünschte, dass er unsere Gemeinde übernimmt. Fünf Monate war die Pfarrerstelle vakant, nachdem Pfarrer Karl Haller der Erwartung des Erzbischofs, spätestens nach 15 Jahren die Pfarrei zu wechseln, nachkam. Der Ruf, ein brillanter, fast unüberwindlicher Torhüter der Diözesan-Priesterelf und auch ein erfahrener Bergsteiger zu sein, eilte Pfarrer Servatius voraus.
Er wollte der Neugier der Gemeinde im Voraus begegnen und schickte seinen Steckbrief: „1933 in Elsenz geboren, Gymnasium und Abitur in Bruchsal, Studium in Freiburg, Tübingen und St.Peter, von Erzbischof Dr. Eugen Seiterich am 2. Juni 1957 geweiht, Vikar in Lauf bei Bühl, in St. Sebastian in Mannheim und in St.Josef in Rheinfelden, 11 Jahre Pfarrer in Stetten bei Engen, 12 Jahre in Inzlingen."
Bescheiden war er und blieb es immer. Er machte nie viel Aufhebens um sich. In dieser seiner Bescheidenheit erwähnte er nicht, dass er Dekanatsjugendseelsorger für die Mannesjugend im Dekanat in Engen war, Präses der Kolpingsfamilie im Wiesental und dort auch Erster Vorsitzender des Caritasverbandes, und darüber hinaus an der Universität zu Basel Kolloquien und Seminare zur theologischen Ausbildung gestaltete - sein Weggang dort schmerzlich bedauert wurde - und dass ihm nahe gelegt wurde, eine Doktorarbeit zu schreiben, um zu promovieren. Das aber wollte er nicht.
Er freute sich auf seine neue Gemeinde. Sein Wunsch für uns - so schrieb er - war: „Die Kirche als Gemeinschaft der Getauften erfahrbar zu machen." Er rief der Gemeinde das Pauluswort aus dem 1. Korintherbrief zu: „Jeder trage etwas bei..."
Die Gemeinde nahm ihren neuen Pfarrer freudig auf. Sehr schnell spürten wir, wie sehr ihn die Feier der hl. Eucharistie beseelte. Sie war Mittelpunkt. Er schenkte ihr seine ganze Kraft. Die Kommunionhelfer sollten bei der heiligen Handlung in ihrem Dienst liturgische Gewänder tragen. Und mit tiefer Innigkeit spendete er die heiligen Sakramente: Kindern die Taufe, er führte sie zum Bußsakrament, traute die Brautpaare und spendete den Kranken liebevoll die Krankensalbung.
Auch in der Verkündigung des Wortes Gottes stand er zu seinem priesterlichen „Adsum". Seine Predigten rüttelten auf: Lebendig, anschaulich, oft mit Gleichnissen und Weisheiten aus Parabeln, Fabeln und Märchen gespickt. Seine Stimme füllte die Kirche, Schläfern gab er keine Chance
Von Anfang an war er durch viele Gemeindevorhaben gefordert: Die Innenrenovation unserer Kirche stand an. Gern brachte er seine Aufgeschlossenheit für moderne Technik ein, aber auch seine Erfahrungen aus Renovation und Erweiterung der Kirche St. Sebastian in Stetten und aus der Errichtung eines Pfarrheims in Inzlingen waren hilfreich. Auch beim Umbau unseres Gemeindezentrums auf den Deutschen Katholikentag1992 hin erfüllte er die Wünsche des Pfarrgemeinderates und der Jugendleiter und machte den Unternehmern die Vorgaben.
Eine Gemeindemission mit Redemptoristenpatres, die das Gotteswort vertiefen und Antwort auf Fragen des Glaubens geben sollte, wurde verwirklicht und das Zustandekommen wie die Verlebendigung der Partnerschaft mit der peruanischen Gemeinde Cristo el Salvador in Villa el Salvador lag ihm am Herzen ebenso die Unterstützung von konkreten Projekten in Indien, auf den Philippinen, in Australien und in Honduras. Bei alledem übernahm er noch die Aufgabe des Bezirkspräses der Katholischen Arbeitnehmerschaft.
Das Gebet in der Gemeinde, des Einzelnen wie in den Gemeinschaften wurde ihm zum wichtigsten Anliegen. Darum rief er die Gemeinde zu einen Kreuzzug des Gebetes auf: „Herr erneuere unsere Gemeinde und fange bei mir an."
Die Geistlichen, die als Gast kamen empfanden die gute Atmosphäre auch in der Sakristei und bei der Gemeindevisitation durch Ehrendomkapitular und Dekan Emanuel Frey wurde die Arbeit in der Gemeinde, die Mitarbeit der Laien und die Zusammenarbeit mit dem Pfarrer wie auch die Aktivitäten als weit über dem Durchschnitt der Gemeinden hervorgehoben.
Pfarrer Servatius ging oft bis ans Ende seiner Kraft. Trotz seines schweren Herz- und seiner Hüftleiden mit großen und riskanten Operationen und langen Krankenhausaufenthalten leistete er seinen priesterlichen Dienst. Manchmal versagten ihm die Kräfte.
Schwer fiel ihm im August 1997 sein Gang zu seinem Kurskollegen, zu Erzbischof Oskar Saier, um ihn um seine Zurruhesetzung zu bitten, um so schwerer, weil er wusste, dass nach ihm St. Josef keinen eigenen Gemeindepfarrer mehr haben wird. Er gab dem Bischof aber sein Versprechen, soweit es seine Kräfte erlauben, in der Seelsorge im Raum Karlsruhe mitzuhelfen.
Am 1. Februar 1998 verabschiedete er sich von Sankt Josef und eine große Zahl von Pfarrangehörigen verabschiedete ihn. Lange feierte er noch mit den Bewohnern des Grünwinkler Pflegeheimes St. Bernhard das Heilige Opfer.
Eine enge und gute Zusammenarbeit mit dem Pfarrgemeinderat prägte all die Jahre. Er delegierte und gab seinen Mitarbeitern Gestaltungsraum. Sein ja war ja, sein nein ein nein. Er war berechenbar, nie berechnend. Man konnte streiten mit ihm und er ließ Meinungen gelten.
Man konnte ihm vertrauen und er vertraute. Er war feinfühlig, aber er konnte auch poltern. Er mochte, dass man sich in die Augen schaut. Mancher empfand ihn streng, auch konservativ, aber er hatte ein weiches Herz. Oftmals war er einsam und teilte darin bei aller Betriebsamkeit das Empfinden mit gar manchen Priesters.
Geborgenheit wusste er zu schätzen. Im Internat in Bruchsal - so erzählte er - hatte er als Bub oft Heimweh. Deshalb holte er seine alt und gebrechlich gewordenen Eltern hierher in seine Nähe, ins Pflegeheim direkt neben dem Pfarrhaus. Und seine Eltern waren dankbar dafür; sie sagten es mir beide.
Er war verletzlich und trug manche Verletzung mit sich. Darum schien er manchen zurückhaltend, gar fremd. Aber er war ein froher Mensch und konnte herzlich lachen. Er war warmherzig - ganz besonders lagen ihm die Kinder am Herzen. Täglich betete er für sie und schloss auch täglich die Kinder unserer Kindergärten in sein Breviergebet ein.
Dankbar und mit Wehmut nahm er Abschied von Sankt Josef. Nur weniges nahm er mit. Wichtig war ihm das Bild von Marc Chagall „Die weiße Kreuzigung". Es war unser Geschenk zu seinem vierzigsten Priesterjubiläum, damals sein einziger Wunsch.
Er fand Hilfe und wohl auch ein Stück Geborgenheit durch Frau Lore Wickenheißer, die wie eine Schwester für ihn sorgte. Und durch die Gespräche und Meinungsaustausche gewann er neue Einsichten und seine Milde und Güte wurde offenkundig.
In den schlimmen Monaten nach seiner schweren Kopfverletzung pflegte sie ihn bis zur Erschöpfung, dann stand die Sozialstation bei, bis er im Juni Aufnahme im Anna-Leimbach-Haus des Caritasverbandes in Durlach fand.
Nur ganz wenige Bücher nahm er mit ins Heim, nur die für ihn allerwichtigsten. Darunter die Abschiedsgabe der Gruppenleiter und Ministranten von Sankt Josef mit ihren Fotos und Unterschriften und Bildern von frohen Erlebnissen und mit ihren Geschichten, ihren Parabeln - mit ihren Gedanken. Das ist ein Zeichen, dass ihm diese Erinnerungen viel bedeutet haben.
Im Anna-Leimbach-Haus fühlte er sich wohl. Er war gerne dort. Er empfand es als Erfüllung, in dem Heim wieder einmal Wortgottesdienst halten zu können. Auch im Heim wird er nun vermisst und die besorgten Pflegekräfte trauern um ihn.
Dreiundfünfzig Jahre war er Priester - ein frommer Priester. Uns schenkte er seine Arbeit, seine Sorge, seine Kraft, seinen Segen. Nun möge ihn Jesus empfangen und bei Gott möge er geborgen sein.
In großer Dankbarkeit nehmen wir Abschied von Pfarrer Bruno Servatius. Wir verneigen uns vor ihm an seiner Bahre und bleiben im Gebet mit ihm verbunden.
von Eduard Jüngert
12. Oktober 2010

